Irrelichter hat 2012 die dOKUMENTA(13) besucht und sich der Kunstkritikerin Lori Waxman präsentiert - ihr Kommentar:

 

60 WRD/MIN ART CRITIC // KASSEL

Anna Schmidt

A brief history of artistically designed lamps would have to include Isamu Noguchi’s paper- covered modernist orbs, Philippe Starck’s many postmodern witticisms, and the cute metal cow head that stood by my bedside when I was a teenager. Anna Schmidt’s “Funky Mary” glows somewhere in between them all. Originally just a floor lamp with a fussy wooden base and a cream silk shade trimmed in black velvet, the device was utterly transformed by Schmidt’s addition of organza and chicken wire. The shade became a swishy ladies’ skirt, complete with legs hanging below and a bustier-wearing torso above. Other creations by Schmidt reimagine the lamp shade with slightly less bawdiness but an equal understanding of its inherent possibilities. Magazine pages, hand-knit wool, painted fabric and variously deconstructed and reconstructed found shades abound; light is used both in its presence and in its absence; even the metal frame that holds it all together invisibly becomes a striking element. A perfect reading light these are not—but then, with the advent of e-readers, we no longer really need lamps just for lighting up the printed page.

—Lori Waxman 9/12/12 2:40 PM

 

Deutsch:

Eine kurze Geschichte der künstlerisch gestalteten Lampen muss Isamu Noguchis mit Papier überzogenen modernistische Kugeln in Betracht ziehen, Philippe Starcks zahlreiche postmoderne, humorvolle und geistreiche Hervorbringungen und die süße Kuh aus Metall, die an der Seite meines Bettes stand, als ich ein Teenager war. Anna Schmidts „Funky Mary“ leuchtet irgendwo dazwischen. Ursprünglich war es eine Bodenlampe mit einem übertrieben sorgfältig gestalteten hölzernen Fuß und einem Schirm aus cremeweißer Seide, der mit schwarzem Samt eingefasst war. Schmidt hat nun diesen Gegenstand völlig verändert, indem sie ihn mit Organza und Maschendraht versehen hat. Der Schirm wird so zu einem todschicken Frauenrock, der durch Beine vervollständigt wird, die an ihm herunter hängen und einem Torso darüber, der in einem Bustier steckt. Andere Kreationen von Schmidt erfinden die Lampe etwas weniger unzüchtig neu, doch auch hier zeigt sich gleiches Verständnis für die vorhandenen Möglichkeiten. Magazinseiten, handgestrickte Wolle, gefärbter Stoff und zahlreiche, dekonstruierte und rekonstruierte, gefundene Schirme. Das Licht wird sowohl dann genutzt, wenn es leuchtet, wie auch dann, wenn es dies nicht tut. Sogar der metallene Rahmen, der all das unsichtbar zusammenhält, wird zu einem frappanten Element. Perfektes Leselicht versprechen diese Leuchten gewiss nicht – doch in Zeiten des e- books brauchen wir ohnehin keine Lampen mehr, um bedruckte Seiten zu erhellen.



Es war einmal ein Irrlicht, das hatte sich verirrt und tanzte blass und ruhelos durch die Nacht. Da erbarmte sich seiner eine Fee. Sie gab ihm ein Kleid aus Feenstoff und setzte es auf einen festen Stab. So fand es endlich Ruhe und erstrahlt und leuchtet seither in irren Farben!